Projekt Burggut

Funde210205   Das Arbeitsteam-Treppe   Ausgrabungen

Von 2004 bis 2006 führte das Berufsschulzentrum Kulmbach zusammen mit dem MGF und der Oberen Volksschule das Denkmal-Aktiv-Projekt „Burggut“ durch, für welches die Schüler den „Simon-Snopkowski-Preis“ aus der Hand von Edmund Stoiber erhielten. Wie aus den fortlaufend geführten Ergebnisprotokollen der Verbundschulen hervorgeht, hat sich in den Jahren 2004/05 die Vermutung verdichtet, dass das Kulmbacher „Burggut“ im Altstadtkern auf den Fundamenten der einstigen Synagoge der frühmittelalterlichen jüdischen Gemeinde errichtet worden ist. Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Vermutung wurde von einer Schülergruppe des MGF um Wolfgang Schoberth erbracht. Bautechniker des BSZ übernahmen unter der Leitung von Michael Jandejesek, Archäologe des Landesamtes für Denkmalpflege, die Grabungsarbeiten sowie das Aufmaß des Kellergewölbes und die Konstruktion einer der Treppe. Schüler der Fachoberschule unter Leitung von Johannes Unter bauten Stahltreppe und Schaukasten. Mit der historischen Aufarbeitung einhergehend ging es den Schulen um die Erziehung zum Frieden, um eine Verständigung zwischen Kulturen und Religionen mit dem Ziel, Gemeinsamkeiten zu entdecken und Trennendes zu überwinden.

Mit Unterstützung des Unesco-Clubs wurde 2010 ein Schaukasten im Burggut aufgestellt, der die Ergebnisse des Projektes dokumentiert.

Grabungsergebnisse

Im überraschend entdeckten Gewölbekeller unter der Torhalle des Burgguts fanden archäologische Grabungen statt. Dabei wurde in der SO-Ecke des Kellers ein ovaler, aus Sandsteinblöcken gesetzter Schacht freigelegt.

Nach dem Abtragen neuzeitlicher Verfüllschichten wurden in einer Tiefe von 0,8-1,5 m unter der Oberkante des Sandsteinplattenbodens u. a. Tierknochen, Dachziegelbruch und mittelalterliche Keramikfragmente zu Tage gefördert. Die mittelalterlichen Funde stammen nach der Datierungsanalyse des Bayerischen Landesamtes zum Teil aus dem 14. Jahrhundert, überwiegend aus dem 15. Jahrhundert. (Befundbuch Bodendenkmalpflege BLFD vom 30. April 2005, Fundstellennummer 5834/0089) Damit zählen sie zu den stadtgeschichtlich äußerst raren Funden aus der Zeit vor der Zerstörung Kulmbachs im Markgrafenkrieg 1553.

Möglicherweise handelt es sich bei einem Teil der mittelalterlichen Scherben um Schöpfgefäße. Da der Grundwasserspiegel tief liegt, könnten sie der Frischwasserzufuhr gedient haben. Auch die Speisung über eine noch nicht freigelegte oder beschädigte Rohrleitung halten Experten für möglich („Regenwassermikwe“).

Da die gefundenen Keramikfragmente zur gesicherten Rekonstruktion der Originale nicht ausreiche, wurde intakte mittelaterliche Gebrauchskeramik aus dem 14. und 15. Jahrhundert nachmodelliert, die überwiegend bei Sakralbauten gefunden worden ist. Die im Schaukasten gezeigten unglasierten Keramikmodelle wurden 2006 im Rahmen eines Töpferkurses am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium für das Denkmalschutzprojekt angefertigt.